Schlosser und Bachelor

Folgender Auszug entstammt einem längeren Artikel von Jochen Hoff über die Globalisierung allgemein:
Die Globalisierung kannst du abheften

Nachdem der Neoliberalismus den Menschen die Achtung vor sich selbst genommen hat und sie immer wieder als jämmerliche Würstchen dastehen ließ, wird es schwer den Verlorenen neuen Mut zu geben. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es den Menschen ihre Berufe wieder zurück zu geben. Früher erlernte man einen Beruf um ihn ein Leben auszuüben. Selbstverständlich änderte sich die Welt auch früher ständig, aber ein Schlosser blieb ein Schlosser, weil er ständig dazu lernte.

Heute ändern sich die Berufsbezeichnung alle paar Jahre. Das bedeutet, das alte Qualifikationen plötzlich wertlos sind und neue sich in immer abstrusere Berufsbilder aufspalten, die weder alleine lebensfähig sind noch irgendwo in der Realität auftauchen. Dies wird von den IHKs zusammen mit gewissenlosen Bildungspolitikern wie Frau Schawan so gestaltet, damit niemand mehr Schlosser sein kann und im Endeffekt alle Hilfsarbeiter sind.

Ein Schlosser aber war ein Arbeiter der seinen Beruf konnte, zu dem auch ein Meister mal hin ging und um dessen Meinung fragte, weil ja Kompetenz eben hilfreich war. Dies wurde schon im Zusammenhang mit den Gastarbeitern aufgelöst und heute sind wir bei Produktionsschritten, die ein dressierter Affe oder ein Roboter erledigen kann.

In diesem Zusammenhang („… und neue sich in immer abstrusere Berufsbilder aufspalten …“) muss man auch die Zerschlagung der deutschen Universitäten sehen.

In einem Akt von vorauseilender Gleichschaltung wurden die bisherigen Studiengänge abgeschafft und durch denaturierte Micky-Mouse-Fächer ersetzt.
Und mit den Worten „Tja, das ist der Bolgona-Prozess, da kann man leider nichts machen …“ entziehen sich die verantwortlichen Bildungsminister und Universitätsleiter ihrer Verantwortung und verstecken sich hinter der kolletiven Verantwortungslosigkeit, die dieser weitere Auswuchs an undemokratischem Europa-Neoliberalismus bietet.

Den jungen Studierenden werden nun kurze stromlinienförmige Schnellbleichen vorgesetzt, die mit Wissenschaft, Forschung und Erkenntnisssuche nichts mehr zu tun haben, und mit denen man später beruflich nicht viel anfangen kann.

‘Bachelor’ – nicht mal ein deutsches Wort gibts dafur.

Wo kann man – beispielsweise – noch Rechtswissenschaft alter Art (Staatsexamen mit Befähigung zum Richteramt) umfassend studieren?
Oder Betriebswirtschaftslehre allgemein (BWL Diplom)?

Stattdessen werden minderwertig eingeschränkte Schnellbleichen ‘in nur 6 Semestern’ angeboten wie
- „Betriebswirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen“
- „BWL Touristik“
- „Bachelor Unternehmensjurist“ (www.zeit.de/campus/online/2007/19/jura-studienreform)

Und dafür werden seit neuestem auch noch in manchen Bundesländern Studiengebühren verlangt, um zusätzlich auch über die soziale Auslese den Zugang zum Studium steuern zu können.

Man könnte meinen, es existiert eine konzertierte Aktion mit dem Ziel, Aufklärung und Bildung in der Bevölkerung allgemein runterzufahren durch stetigen Abbau im Schul- und Universitätswesen.

Demokratie funktioniert aber nur über Teilhabe gebildeter Bürger.

Aber wer will denn sowas. Zum Konsum der Bertelsmann-Medien (RTL, usw.) braucht man ja nicht studiert zu haben. Ein dummgehaltenes Volk ist doch viel leichter zu regieren.

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