Bananenrepublik Deutschland – Beispiel Bundesdruckerei

http://www.heise.de/newsticker/Bund-kauft-Bundesdruckerei–/meldung/115697

Bund kauft Bundesdruckerei

Ist ja im Prinzip nicht schlecht, wenn sicherheitsrelevante Themen wie biometrische Ausweise vom Staat selbst erledigt werden und nicht an profitgeile Heuschrecken ausgelagert werden, bei denen eine Zweitverwertung der anvertrauten Daten nicht ausgeschlossen werden kann.

Auch wenn die Erkenntnis spät kommt. Und diese Erkenntnislage ist im Grundsatz doch seit hundert Jahren dieselbe. Ich habe vor 8 Jahren nicht verstanden, warum der Verkauf sein musste.
Und wenn diese Erkenntnis heute so richtig ist, dann haben die Verantwortlichen vor 8 Jahren mit ihrer grundlosen Privatisierung Verheuschreckung wohl offensichtlich einen schweren Fehler begangen.

Und wie es sich für eine Bananenrepublik gehört, stinken die konkreten Umstände mal wieder nach dem üblichen Gemisch aus Unfähigkeit und Korruption.

Als die Bundesdruckerei im Jahre 2000 für eine Milliarde D-Mark an die britische Investorengruppe Apax Partners verkauft wurde, galt das Geschäft als großer Erfolg der rot/grünen Regierung und besonders von Finanzminister Hans Eichel (SPD).

Na klar, ein voller Erfolg, sicherlich, hahaha. Für Apax.

Apax führte die Firma in eine Holding namens Authentos ein, die den Kaufpreis erwirtschaften sollte, zog aber gleichzeitig Geldmittel aus dem Gewinn der damals profitablen Bundesdruckerei ab.

So macht man erfolgreiche Geschäfte: ein Unternehmen übernehmen ohne eigenen Kapitaleinsatz, das Unternehmen den eigenen Kaufpreis aufbringen lassen (wie pervers ist denn das?), aussaugen, und hinterher die leere Hülle wegwerfen.

Das Konzept geriet bereits 2002 in eine gefährliche Schieflage, in der der Bund seine gesamten Forderungen stunden musste. Authentos wurde zum symbolischen Preis von einem Euro verkauft, während die Bundesdruckerei geschrumpft wurde. Zur Zeit der Privatisierung beschäftigte der Staatsbetrieb 3650 Mitarbeiter, heute arbeiten bei der Privatfirma 1450 Mitarbeiter, wobei Tochterfirmen wie D-Trust mitgezählt sind.

Ein voller Erfolg für die Heuschrecke, wahrscheinlich nicht ganz so schön für die betroffenen Mitarbeiter.
Es sieht so aus, als wenn Irgendwelche anonymen Verantwortlichen in diesem Staat ein (eigenes?) Interesse daran hatten, Volksvermögen wie die Bundesdruckerei unter derart dubiosen Umständen einer Heuschrecke zuzuschanzen, ohne daß überhaupt der Kaufpreis (ob dessen Höhe überhaupt angemessen war, steht ja auch nicht einmal fest) reinkommt.
Was für zynische Strippenzieher da in der Regierung und in den Ministerien sitzen, solche Machenschaften bewußt und vorsätzlich zu inszenieren.

So viele Fragen, und in den Medien findet sich natürlich keine Aufklärung durch investigative ‘Qualitätsjournalisten’:
- Wer war damals verantwortlich für dieses Debakel?
- Wer hat den damaligen Verkaufsvertrag für den Staat rechtswirksam unterschrieben?
- War es Korruption? Unfähigkeit? Oder eine Mischung aus beidem? Korruption bei den Unterhändlern und Unfähigkeit beim verantwortlichen Vertragsunterzeichner? Oder umgekehrt? Mit Unfähigkeit allein ist das ganze nicht rational erklärbar.
- Ist verdeckt Lobbyistengeld geflossen? Wieviel? An wen?

Über den Kaufpreis wurden in einer Mitteilung der Bundesdruckerei ( http://www.bundesdruckerei.de/de/presse/presse_meldungen/pm_2008_09_09.html) keine Angaben gemacht, doch soll die Summe sehr niedrig sein, da gestundete Forderungen des Bundes in Höhe von 300 Millionen Euro als Einzahlung abgerechnet werden.

Keine Angaben zum Kaufpreis.
Ein weiteres Indiz dafür, dass der ganze Deal damals nicht korrekt lief und auch der jetzige Deal in seiner wirtschaftlichern Abwicklung stinkt.

Wieviel hat diese Hin-und-her-Schweinerei den deutschen Steuerzahler letztlich gekostet?

Kann man mal bitte eine Abrechnung mit den relevanten Zahlen sehen?

Nein?
Na ja, Transparenz ist in einer Bananenrepublik eben nicht üblich.

Eine Antwort zu „Bananenrepublik Deutschland – Beispiel Bundesdruckerei“

  1. bravo56 sagt:

    Der damalige Verkauf der Bundesdruckerei war ein Schildbürgerstreich erster Klasse. Wie kann man einen Betrieb, der ausschließlich Papiere des Bundes, also Personalausweise, Reisepässe, Wertpapiere, KFZ-Papiere, Bundesdrucksachen und Geld druckt, in private Hände geben? Und dann noch in die Klauen von Heuschrecken? Ein Irrsinn, der damals schon hätte abgestraft werden müssen. Der Sicherheitsaspekt ist eine Sache, die hätte beachtet werden müssen, eine andere Sache ist die glänzende technische Ausstattung und das überragende „know how“, das ohne wirklichen Gegenwert verschleudert wurde und nun teuer zurück gekauft werden muss.
    Die Kosten, die der Allgemeinheit dabei aufgebürdet wurden, stecken auch in den immer weiter steigenden Preisen die man in Form von Gebühren zahlen muss.

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